Dienstag, 13. Dezember 2011

Gnadenbringende Weihnachtszeit...



In vielen Häusern der Stadt Weimar bereitete man sich auf das Christfest vor.
Aber dem Ehepaar Falk schien es fast unmöglich, alles für das Fest herzurichten.
Am liebsten wären sie still zum Friedhof gegangen, wo ihre sechs Kinder ruhten,
die innerhalb weniger Wochen einer furchtbaren Seuche zum Opfer gefallen waren.
Und doch wartete eine Kinderschar auf ihre Liebe und freute sich auf das Fest.
Es galt, diesen Kindern eine neue Heimat zu geben.
Das hatten die schwergeprüften Eltern an jenem Abend erkannt,
als der erste kleine, völlig zerlumpte Junge mit den Worten an ihrer Tür stand:

"Ich habe solchen Hunger. Meine Eltern sind von den Franzosen totgeschlagen worden.
Seit zwei Wochen bin ich auf der Landstrasse."

Da hatten sie sich trotz ihres eigenen Schmerzes des Jungen angenommen.
Ihm waren noch viele andere gefolgt, auch der kleine Italiener,
der niemanden mehr auf der Welt hatte. Nur einmal war er aus sich herausgegangen,
da hatte er ein Lied aus seiner Heimat gesungen. Dann war er wieder verschlossen wie vorher.
Die Pflegeeltern gaben sich viel Mühe, den Weg zu der vereinsamten Seele
ihres kleinen Schützlings zu finden.

Weihnachten 1806 nahte. Vater Falk stand vor seinen Büchern.
Er suchte ein bestimmtes Buch. Da, endlich fand er es, das Buch seines Freundes
Gottfried Herder, der Lieder aus allen Teilen der Erde gesammelt hatte.
"Stimmen der Völker in Liedern" war der Titel.
Eifrig blätterte Vater Frank darin. Dann fand er, wonach er gesucht hatte:
eines der schönsten italienischen Volkslieder, ein sizilianisches Fischerlied.
Sein Freund hatte es in Sizilien bei den Fischern gehört, die es immer zu singen pflegten,
ehe sie ihre Boote bestiegen. Er hatte damals zu ihm gesagt:

"Das ist ein Lied, in dem die Seele eines Volkes lebt.
Wenn einem doch solch ein Lied im Leben geschenkt würde!"

Dieses Lied wollte Vater Falk seinen Pflegekindern "schenken",
besonders dem kleinen, verschlossenen Pedro.

Während von der nahen Stadtkirche die Glocken den letzten Adventssonntag einläuteten,
sass in seinem Zimmer ein Mann, dem alle eigenen Kinder genommen worden waren,
und schrieb ein Lied für die Kinder, die ihm anvertraut waren.
Er, der selbst so viel Leid erfahren hatte, fasste die wunderbare,
frohmachende Botschaft der Weihnachtsgeschichte in die Worte:

"O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit ..."

Diese Geschichte wurde entnommen aus dem Buch "Heut schliesst er wieder auf die Tür"
von Dieter und Vreni Theobald, Brunnen Verlag Giessen und Basel.

Herzlichst eure
Mela


Wir haben gerade eben unsere Verwandten aus Sizilien verabschiedet...
auch wenn die Zeit des Beisammenseins kurz war, so waren es doch herzliche Augenblicke. 







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